Auf der Suche nach 156,75€

Wie ich eine Rendite 2% p.a. mit meinem „Renten-Anteil“ erreichen will

Das Problem im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ist ja nicht neu: Aufs Tagesgeld gibt es kaum noch Zinsen und sichere, quasi risikofreie Staatsanleihen, rentieren ähnlich niedrig. Die jüngste 10jährige Bundesanleihe wurde am 14.06. mit einem Kupon von 0,25% p.a. ausgegeben.

Mein Tagesgeld bei der Deutschen Kreditbank sieht im Vergleich zu der Bundesanleihe gar nicht mal soooo schlecht aus. Aber 0,2% p.a. sind natürlich schon schwer zu ertragen.

Nach der letzten Halbierung des Zinssatzes ist es nun Zeit zu handeln

Mein Tagesgeld habe ich auf meiner VISA-Karte bei der DKB gelagert. VISA freut sich also gerade über durchschnittlich 20.000 €, die sie mir nur mit 0,2% p.a. verzinsen müssen. Gleichzeitig zog die Inflation in letzter Zeit wieder an und real verliere ich bei einer Inflation von 1,6% 280 € oder 1,4% Kaufkraft pro Jahr.

Ein weiterer Teil meines schwankungsfreien Kapitals steckt in einem Bausparvertrag, der die Jahre überdauert hat und den ich seit ein paar Jahren wieder bespare. Hier bekomme ich aus heutiger Sicht schöne 3% plus 1% Bonus.

Insgesamt war durch den hohen Zins auf den Bausparvertrag ok für mich, fast nichts fürs Geld auf dem Tagesgeldkonto zu bekommen. Nach der letzten „Zinsanpasssung“ von 0,4% auf 0,2% möchte ich aber reagieren.

Mein Renten-Anteil muss kein Geld verdienen

Mein Tagesgeld, mein Bausparvertrag und mein verliehenes Geld muss nach der Inflation keine positive Rendite abwerfen. Das ist nicht die Aufgabe dieser Asset-Klassen. Dieser Anteil an meinem Portfolio soll Ruhe in die ganze Sachen bringen, die Volatilität verringern und bei längerfristig sinkenden Aktienkursen Spielraum zum Nachkaufen geben. Zum Geld verdienen vermiete ich Immobilien und besitze Aktien.

Viele Wege führen nach Rom. Durchschnittlich 2% p.a. mit verliehenem Geld ist auch jetzt möglich

Durch meinen Anteil im Bausparer befinde ich mich eigentlich in einer recht komfortablen Situation: Meine durchschnittliche Rendite auf dem schwankungsarmen Anteil meines Portfolios beträgt 1,48%. Mein schwankungsarmer Portfolio-Anteil macht insgesamt ca. 31.000 € aus und setzt sich bisher so zusammen:

  1. Tagesgeld (VISA-Karte bei der DKB): ca. 19.000 € (0,2% p.a. – 38 €)
  2. Bausparvertrag: ca. 12.150 € (3,5% p.a. – 425,25 €)

Bei 2% Verzinsung sollte dieser Anteil insgesamt 620 € erwirtschaften. Da fehlen mir also 156,75 € Ertrag pro Jahr.

Auf der Suche nach 156,75 €

Mein Ziel ist es, mit 31.000 € zusätzliche 156,75 € zu verdienen. Das sind zusätzliche 0,5% Rendite. Das sollte doch zu schaffen sein?

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Viele Wege führen nach Rom

Mir stehen viele Jagdgründe für die zusätzlichen 156 € zur Verfügung. Ich habe mich näher mit Tagesgeld, Immo-P2P-Darlehn, High Yield-ETFs und Konsumenten-P2P-Krediten beschäftigt.

1. Tagesgeld: Das Kleingedruckte beachten

Die Suche nach guten Tagesgeld-Angeboten macht gerade so überhaupt keinen Spaß. Grenzt man die Suche auf deutsche Banken mit deutscher Einlagensicherung ein, bekommt man maximal 0,4% p.a. geboten und das auch nur in einem Aktionszeitraum, der je nach Bank 3,4,6 oder 12 Monate dauern kann. Meine 19.000€ würden bei einem Umzug innerhalb Deutschlands nur 38€ zusätzlich erwirtschaften. Das reicht nicht.

Also schaue ich mich im EU-Ausland um und werde bei unserem Nachbarn in Frankreich fündig. Über die Plattform Zinspilot bietet die Oney Bank Tagesgeld mit einer Verzinsung von 1,07% an. Das Ganze heißt dort Flexgeld, da Ein- und Auszahlungen zwei Mal im Monat vorgenommen werden können – also nicht ganz Tagesgeld-Verfügbarkeit, für meinen Vergleich aber nah genug dran.

Die Oney Bank ist eine Tochtergesellschaft der Auchan Holding, einer Warenhauskette in Frankreich mit fast 900 Filialen. Die finanzieren also Verbraucherkredite. Das Geld, das ich dort einzahlen würde, würde die Bank an französische Konsumenten verleihen. Durch die europäische Einlagensicherung sind meine ersten 100.000€ dort „sicher“. Was immer das auch heißen mag. Im Falle eines Falles garantiert der Französische Staat in jedem Fall, mir meine Gelder binnen sieben Tagen zu ersetzen.

Meine 19.000€ Tagesgeld würden hier zusätzliche 165,30€ erwirtschaften. Insgesamt würde ich 203,30€ Zinsen im Jahr kassieren. Mein Ziel kann ich mit EU-Auslands-Tagesgeld im Moment also erreichen!

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Quelle Screenshot

Dieses Zins-Angebot ist das mit Abstand höchste. Im europäischen Ausland bekomme ich sonst noch zwei Mal 0,7% aufs Tagesgeld. Einmal in Italien und einmal in Schweden. Mit 0,7% p.a. komme ich aber nicht auf meine 156€.

2. Immo-P2P-Darlehn

Der Privatier verleiht Geld an Immobilien-Entwickler und schrieb darüber. Mit Immobilien fühle ich mich wohl, habe ich doch selbst zwei kleinere Immobilien-Projekte umgesetzt und damit gutes Geld verdient. Die zwei größten Plattformen, die das Verleihen von Geldern an Immobilien-Entwickler anbierten, sind Zinsland und Exporo.

Das ganze funktioniert in der Regel so: Immobilien-Entwickler brauchen für Kauf, Sanierung, Bau, Vermarktung von Immobilien eine ganze Menge Geld. Banken geben ihnen gerne 80% davon. Dieses Geld leiht sich der Entwickler z.B. für 3 Jahre. Allerdings muss er 20% Kapital mitbringen. Mehr möchte die Bank ungern verleihen.

Jetzt kann der Entwickler 20% aus eigener Tasche mitbringen. Dann ist sein Kapital aber gebunden. Und die Eigenkapitalrendite sinkt. Deshalb leiht sich der Entwickler auch die restlichen 20%, oder jedenfalls einen großen Teil davon. Bisher machte er das bei Vermittlern, großen privaten Investoren oder Institutionellen. Das ist für alle ein gutes Geschäft. Der Entwickler spart sich sein Eigenkapital und der Geldgeber erhält eine stattliche Rendite, oft um die 10%. Die Verzinsung ist hier so hoch, weil das Darlehn nachrangig gegeben wird. Das bedeutet, dass im Falle eines Falles erst die Bank ihr Geld (meistens 80% der Bausumme) zurückerhalten würde, dann der Entwickler sein Eigenkapital bekommt und bleibt dann noch etwas übrig, wird der Gläubiger des Nachrangdarlehns bedient.

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Unternehmen wie Zinsland und Exporo haben diesen Markt auch für kleine private Anleger geöffnet. Ab 500€ 10€ ist man dabei. Früher hätte unter 100.000€ kein Immobilien-Entwickler auch nur mit einem gesprochen. Der Preis dafür ist aber stattlich: Die Verzinsung fällt über diese Plattform deutlich schlechter aus. Statt typischerweise um die 10% werden hier zwischen 5% und 7% geboten. Hinzu können Gebühren kommen, die auch zu Lasten des Kapitalgebers gehen.

Insgesamt ein guter Deal? Für den Immobilien-Entwickler auf jeden Fall. Er kann seine Finanzierungskosten deutlich senken. Und hat in der Regel trotzdem in wenigen Wochen das benötigte Kapital zusammen.

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Ziemlich maue Auswahl: Bei Zinsland kann aktuell nur in ein einziges Objekt investiert werden. Zu 6,5% p.a. ist das Kapital dann 18 Monate in einem Leipziger Bauvorhaben gebunden. Quelle Screenshot.

Die Auswahl an Projekten ist bei Exporo übrigens etwas höher. Hier stehen aktuell 3 Objekte zur Verfügung.

Bei durchschnittlich 6% p.a. angenommener Rendite hätte ich meine 156€ bereits bei einem Kapitaleinsatz von 2.600€ zusammen. Mit Tagesgeldersatz hat dieses Investment dann aber auch rein gar nichts zu tun. Auf dem Papier schwankt hier zwar nichts – ich verleihe Geld in Tranchen von 100€ bis 500€ und 12/18/24 Monate später bekomme ich eine Auszahlung des Darlehns plus Zinsen –, aber die Ausfallrisiken sind natürlich ungleich höher. Auf den beiden Plattformen kam es noch zu keinem Ausfall und das Risiko lässt sich schwer beziffern.

Vielleicht muss jedes 20. Darlehn abgeschrieben werden. Dann sähe es um die Rendite nicht gut aus. Ich komme dann auf 0,7% . Der Privatier hat bisher übrigens in 34 Projekte investiert. Dabei kam es noch zu keinem Ausfall. Wenn ich davon ausgehe, dass jedes 33. Projekt abgeschrieben werden muss, komme ich auf eine Rendite von 2,97%. Das klingt schon besser. Allerdings könnte ich bei 2.600€ nicht in einer so große Anzahl an Projekten gleichzeitig investieren.

3. High Yield-ETFs

Hoch verzinsliche Unternehmens-Anleihen aus dem Euroraum sind eine weitere Möglichkeit mit verliehenem Geld eine anständige Rendite zu erzielen. Langfristig sind auch hier 6% p.a. drin. Abgebildet werden kann diese Asset-Klasse ganz komfortabel über ETFs.

Das sind dann so Dinger wie:

db x-trackers iBoxx EUR High Yield Bond UCITS ETF 1D

Amundi ETF Euro High Yield Liquid Bond iBoxx UCITS ETF

SPDR Barclays Euro High Yield Bond UCITS ETF

Ob High Yield Bonds eine sinnvolle Ergänzung im eigenen Depot sind, muss jeder selbst für sich entscheiden. Ob die Dinger Top oder Flop sind, hat der Alex von Homemade Finance hier für sich und wer will auch für andere beantwortet.

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Ich möchte ja nur mein Tagesgeld von der Entwertung retten. Daher ist auch wichtig, wie sich diese Bonds zu anderen Asset Klassen verhalten. Um es kurz zu machen: Wenn Aktien abschmieren, geben auch High Yield Bonds deutlich nach. Die Korrelation ist hoch. Insgesamt schwanken diese ETFs im höheren einstelligen Prozentbereich im Jahr.

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Würde ich per ETF meine Rendite steigern und die zusätzlichen 156€ erwirtschaften wollen, würde ich per Einmalanlage für etwa 2.600€ einen dieser ETFs kaufen. Vermutlich einen ausschüttenden.

In den letzten Jahren liefen diese Anleihen aber besonders gut und ich bin skeptisch, wie es hier weitergeht. Steigen die Zinsen, bekommen hochverschuldete Unternehmen mit niedriger Bonität größere Probleme und die Ausfälle würden steigen.

4. Konsumenten-P2P-Krediten

Als letzte Möglichkeit möchte ich P2P-Kredite diskutieren. Über P2P-Kredit-Plattformen kann ich Leuten Geld leihen, die es für Konsumausgaben benötigen wollen. Da das Geld oft verkonsumiert wird und es insgesamt kein gutes Zeichen ist, wenn jemand Geld für Urlaube oder Autos, oder bis zum Monatsende braucht, sind die Zinsen hier noch einmal deutlich höher. 10% p.a. und mehr sind drin. Anbieter gibt es eine ganze Menge. Die wichtigsten sind derzeit Viainvest, Mintos, und Auxmoney.

Der Finanzrocker investiert hier fleißig und hat gute Erfahrungen gemacht, wie er schreibt, auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt. Er sagt:

Du darfst nie vergessen: es ist eine sehr riskante Art der Geldanlage. Kredite fallen aus, Darlehensanbahner können pleite gehen und natürlich auch die Plattformen selbst. Da ist nix mit Sondervermögen wie bei ETFs. Und es ist schon mal gar kein Ersatz für das Tagesgeldkonto.

Außerdem ist das von den vier Alternativen die ich hier abwäge wohl die mit dem höchsten Betreuungsaufwand. Wenn ich streuen will, dann kann ich das auf diesen Plattformen. Ich kann oft schon Beträge kleiner als 25€ verleihen. Jedes Projekt wird vorgestellt, immer gibt es unterschiedliche Zinssätze. Die Laufzeiten variieren stark und sind oft sehr kurz. Außerdem kann vorzeitig getilgt werden. Das freie Kapital muss ich dann wieder anlegen, wieder suchen, wieder lesen usw.

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Bei angenommenen 10% Rendite müsste ich, um auf meine 156€ zu kommen, allerdings nur 1.560€ verleihen. Mintos wirbt sogar mit 11,88% Rendite und Viainvest mit bis zu 12%. Bei 12% Rendite müsste ich sogar nur 1.300€ verleihen.

Wie mans macht, macht mans verkehrt?

Ich möchte maximal 2.600€ hochverzinst anlegen. Als kleiner Privatanleger. Die Möglichkeiten sind dafür heute ungleich höher als früher. Das ist erst mal eine richtig gute Erkenntnis.

Ich kann angeschlagenen Unternehmen mein Geld verleihen. Ich kann mein Geld einer Französischen Bank geben, die es dann an die Kunden eines Kaufhauses verleiht. Ich kann privaten Konsumenten in ganz Europa mein Geld leihen, die davon Autos kaufen, oder in Urlaub fahren, oder die nächste Miete bezahlen und ich kann Immobilien-Entwicklern 100€ zustecken, die dann damit ein bis drei Jahre arbeiten und Immobilien in oft zweistelliger Millionen-Größe aufwerten oder bauen. Die gleichen Entwickler würden, würde ich als Einzelperson auftreten, mit weniger als 100.000€ im Gepäck nicht mal mit mir sprechen.

Die Möglichkeiten sind groß, unterschiedlich aufwendig und eignen sind unterschiedlich gut zur weiteren Diversifikation.

Und was mache ich jetzt?

Ich muss zugeben, dieser Artikel liegt hier schon ein paar Wochen halbfertig in meinem Entwürfe-Ordner rum. Warum? Weil ich mich nur schwer entscheiden kann, welchem Risiko ich mich zukünftig zusätzlich aussetzen soll.

Tagesgeld-Hopping ist raus. Ich möchte nicht die Sparleistung mehrerer Jahre zu einer unbedeutenden französischen Bank schieben. Einlagensicherung hin oder her – das ist es mir einfach nicht wert. Wenn der schwarze Schwan am Himmel erscheint, könnten auch die Interessen Deutscher Sparer ganz schnell in den französischen Hintergrund rücken.

Ganz abgesehen davon hat mir der Finanzwesir ins Gewissen geredet. Er hat vollkommen Recht, wenn er schreibt:

Irgendwann hat sich‘s ausgehüpft. Für die Banken ist ein Neukunde jemand, der in den letzten sechs bis zwölf Monaten kein Konto bei dieser Bank hatte. Irgendwann gehen Ihnen die Banken aus. Sie müssen deshalb auf jeden Fall die alten Konten schließen und die Geschäftsbeziehung vollständig abbauen. Sonst können Sie ja in einem Jahr nicht erneut Neukunde werden.

Tagesgeld-Hopping habe ich für ein paar Jahre aus meinem Kinderzimmer heraus betrieben. In der Spitze gab es in den Niederlanden 6% aufs Tagesgeld – dauerhaft. Das hat Spaß gemacht. Heute ist das anders und ich sitze nicht mehr in meinem Kinderzimmer.

High Yield-ETFs scheiden für mich auch aus. Die Korrelation ist mir einfach zu groß. Außerdem sehe ich größere Schwierigkeiten in der näheren Zukunft für diese Asset-Klasse. Da könnte ich mich auch einfach zusätzlichem Aktien-Risiko aussetzen und meinen Tagesgeld-Anteil verringern.

Bleiben P2P-Kredite und Nachranganleihen für Immobilien-Entwickler. Hier werde ich mich weiter einlesen und berichten.

1 Kommentar zu „Auf der Suche nach 156,75€“

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